Zu Hause angekommen
ZU HAUSE ANGEKOMMEN
Zu Hause angekommen, führt der erste Weg zur zukünftigen Lösestelle. Ein Fleckchen Grün reicht für das erste Geschäft, der Spaziergang kann noch warten. Hat Pyri alles erledigt, was Hund so erledigen muss, geht es ins Haus, wo er sich in Ruhe umsehen darf. Auch wenn die Neugier der Freunde und Verwandten verständlicherweise groß ist, benötigt Pyri erst einmal Zeit, in Ruhe seine neue Umgebung und auch seine neue Familie kennen zu lernen. Besucher sollten sich also einige Tage gedulden. Ein paar Fotos helfen vielleicht, die Wartezeit der neugierigen Mitmenschen zu überbrücken.
Sollte sich bereits ein anderer Hund im Haushalt befinden, ist es sinnvoll, die erste Begegnung auf neutralem Boden stattfinden zu lassen und dann mit beiden Hunden gemeinsam das Haus zu betreten. So wird die Gefahr verringert, dass der „Alte“ sein Revier gegen den „Neuen“ verteidigt. Dazu entfernen Sie natürlich auch den Futtertopf des älteren Hundes. Treten Sie ruhig und bestimmt auf, es ist vorrangig Ihre Sache, den Neuankömmling zu erziehen, nicht die des älteren Hundes.
Und wie groß ist die Versuchung, dem goldigen kleinen Hundewesen alles nachzusehen! Es ist ja so niedlich, wenn er die Teppichfransen zum Feind erklärt und bekämpft. Er trägt den Schuh, der viel größer ist als er selbst, durch die Gegend und stürzt sich wie eine Bestie auf die Menschenhand, um laut knurrend darauf herumzuknabbern. „Wie schön, dass Pyri sich gleich so wohl fühlt und die Welt in Besitz nimmt“, denkt der Mensch (aber nicht lange!).
Nach dem dritten ruinierten Schuh, – - echtes Leder schmeckt am besten – , den Riesenlöchern im Orientteppich und den diversen Wunden und Kratzern in der Hand, denkt Mensch aber schon anders. Hier ist Vorbeugen besser als Heilen! Vom ersten Moment im neuen Haus muss Pyri ganz genau wissen, was er auch in Zukunft darf und was nicht. Machen Sie sich bereits im Vorfeld Gedanken über grundsätzliche Dinge:
Soll auch ein erwachsener Hund auf das Sofa dürfen, auch wenn er gerade im Regen über den Acker getobt hat? Falls Sie nicht möchten, dass der erwachsene Hund auf dem Sofa liegt, setzen Sie sich auf den Teppich und kuscheln dort mit dem Welpen.
Nehme ich einen erwachsenen Hund auch mit ins Bett?
Ein Welpe nimmt im Bett nicht viel Platz weg – wenige Monate später ist man erstaunt,
wie lang und breit so ein kleiner Hund besonders nachts werden kann.
Wo soll das Körbchen stehen, wo der Futternapf?
Wo bleibt Pyri, wenn er alleine zu Hause ist?
Wenn Sie sich Klarheit über diese Fragen verschafft haben, gewöhnen Sie Pyri vom ersten Tag an daran.
Der Fachhandel bietet eine Vielzahl geeigneter Kauartikel, mit denen Pyri seinem natürlichen Bedürfnis – besonders während der Zahnung – nachgehen kann.
Für die Nächte empfiehlt sich, Pyri in einer Box schlafen zu lassen,die oben geöffnet wird. Diese haben sie sich ja bestimmt schon angeschafft. Stellen Sie die Box neben Ihr Bett auf. So ist Pyri nicht einsam und Sie hören gleich, wenn er wach wird und sich lösen muss. Er wird sein Lager nicht beschmutzen wollen und so haben Sie die Möglichkeit, schnell in die bereitstehenden Schuhe zu schlüpfen und Pyri auf das grüne Fleckchen zu setzen.
STUBENREIN? Wenn Sie ihn auch tagsüber nach jedem Fressen, Trinken, Spielen und Schlafen gleich nach draußen bringen, wird er schnell begriffen haben, was von ihm erwartet wird. Freuen Sie sich jedes Mal wie über einen Lottogewinn, wenn er sich an der richtigen Stelle löst. Sollte im Haus einmal ein kleines oder größeres Malheur passieren, schimpfen Sie bitte nicht! Sie würden nur erreichen, dass er sich beim nächsten Mal, wenn Sie nicht gut genug aufpassen, besser versteckt. Auf gar keinen Fall dürfen Sie seine Nase in die Hinterlassenschaften drücken – hiermit würden Sie sein ausgeprägtes Riechvermögen langfristig zerstören! Falls Sie ihn auf frischer Tat ertappen, nehmen Sie ihn kommentarlos hoch und setzen ihn draußen auf das richtige Fleckchen – falls er dort sein Vorhaben beendet, wird er natürlich in den höchsten Tönen gelobt!
Gewöhnen Sie Pyri auch vom ersten Tag an daran, dass er brav warten muss, während Sie sein Futter zubereiten! Sie können ihm hierfür zur Ablenkung etwas zu Knabbern im seinem Körbchen geben. Wichtig ist, dass Sie ihn ganz konsequent immer wieder ins Körbchen zurückbringen, Erziehung mit Liebe und Konsequenz – nicht so einfach, wie sich das anhört! Aber hier gilt: Hart bleiben!
Hart bleiben! Wenn Sie Pyri nach dem zehnten Versuch doch erlauben, auf das Sofa zu kommen (er das aber eigentlich nicht soll), werden Sie damit erreichen, dass er es bei der nächsten Gelegenheit zwanzig Mal versucht. Und dann dreißig. Und dann vierzig. Und bald hat er gelernt, dass er es nur lange genug versuchen muss, um doch irgendwann seinen Willen zu bekommen.
Was daraus wird, kennen wir alle zur Genüge, wenn wir Eltern mit Kindern am Süßigkeitenregal beobachten. Deswegen gilt:
Nein heißt nein! Und nicht – “vielleicht gleich”.
Wenn Ihr Besuch meint, Sie könnten doch eine Ausnahme machen, weil Pyri doch noch so klein und so süß ist. Lenken Sie beide lieber mit einem schönen Spiel oder der Vorführung, was Ihr Pyri schon alles kann, ab. So verbindet Pyri mit dem Besuch, den Sie sich nach den ersten Eingewöhnungstagen zahlreich einladen sollten, auch gleich ein angenehmes Erlebnis.
Achten Sie darauf, Pyri mit vielen verschiedenen Menschen (Männer, Frauen, junge, alte, forsche, aber auch etwas zurückhaltende ) bekannt zu machen. Kinder sollten stets beaufsichtigt sein, wenn sie sich dem Hund nähern! Vielleicht wird Pyri sich unbekannten Menschen nicht auf Anhieb nähern wollen, vielleicht auch erst einmal bellen. Ganz falsch wäre es, ihn jetzt zu seinem Glück zwingen zu wollen. So würde er nur das Vertrauen in Sie verlieren, schließlich ist es Ihre Aufgabe, ihn vor allem Bösen zu beschützen. Mit beruhigendem Zureden erreicht man meistens nur das Gegenteil, am Besten beachtet man Pyri einfach gar nicht. Und wenn er merkt, dass Sie völlig entspannt sind, wird er sich auch beruhigen und sich dem großen fremden Ungeheuer vorsichtig nähern – das geht natürlich schneller, wenn sich das Ungeheuer klein macht, also sitzt. Sollte Pyri jedoch permanent bellen und sich überhaupt nicht beruhigen wollen, hilft in der Regel ein kurzer Spaziergang zusammen mit dem Besuch, nach dem man gemeinsam wieder ins Haus geht. So kann er sich davon überzeugen, dass keine Gefahr droht. Wenn Sie Pyri gerade in den ersten Wochen regelmäßig positiven Kontakt zu fremden Menschen bieten, wird er seine Vorsicht sicher rasch überwinden, auch wenn das nicht unbedingt heißt, dass er sich später einfach so von jedem anfassen lässt. Aber ganz ehrlich – Ihnen würde auch nicht gefallen, wenn ein völlig Fremder ohne Vorwarnung Ihren Kopf tätschelt, oder?
Wichtig ist auch der Kontakt zu anderen Hunden, in jeder Größe und Farbe und auch in jedem Alter. Der Besuch einer guten Welpenschule ist sicher empfehlenswert. Hier sollte Wert darauf gelegt werden, dass im Vordergrund die Bindung der Hunde zu ihren Menschen steht, wobei das Spiel untereinander natürlich auch begrüßenswert ist. Zusätzlich sollten Sie Pyri möglichst oft den Kontakt zu anderen gut sozialisierten Hunden bieten. Glauben Sie nicht an das Märchen vom Welpenschutz! Ein gut sozialisierter Hund wird natürlich keinen Welpen beißen – aber auch keinen erwachsenen Artgenossen. Ein Hund, der in seiner Sozialisierung verkümmert ist, fragt nicht nach dem Alter (und auch nicht nach dem Geschlecht), bevor er zubeißt! Klären Sie stets vorher mit dem Besitzer ab, ob sein Hund auch Welpen duldet und behalten Sie die Situation immer im Auge!
Sollte ein fremder Hund auf Pyri zugelaufen kommen, dessen Besitzer Ihnen aus mehreren hundert Meter Entfernung zuruft: „Der tut nix, der will nur spielen“, so schneiden Sie dem Fremdling möglichst den Weg ab. Weisen Sie ihn zurück, so dass er nicht direkt zu Pyri gelangen kann(am besten mit den Worten “hau ab”, o.ä.). Es ist Ihre Aufgabe, Pyri zu beschützen. Scheuen Sie sich nicht davor, Pyri in brenzligen Situationen auch einmal schnell hochzunehmen. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Hunde alles untereinander klären. So mancher Welpe wurde nach einer solchen Klärung schon beim Tierarzt behandelt oder Schlimmeres trat ein.
Durch den tiefsitzenden Schreck, der durch solche unkontrollierten Begegnungen entstehen kann, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Pyri Abneigung oder Angst gegen Artgenossen der gleichen Farbe oder Größe des Rüpels entwickelt. Hier hilft der schnelle und positive Kontakt zu ähnlichen Hunden. In einer guten Hundeschule kann Ihnen sicherlich weitergeholfen werden. Zum Glück sind die Hunde, denen Sie beim Spazierengehen begegnen, meist freundlich, so dass dem gemeinsamen Spiel nichts im Wege steht.
Doch auch Pyri muss sich natürlich freundlich und rücksichtsvoll benehmen! Radfahrer, Jogger, Spaziergänger sind tabu! Niemand möchte gerne von einem fremden Hund belästigt werden, der womöglich mit dreckingen Pfoten die gute Sonntagshose beschmutzt. Auch darf Pyri nicht einfach zu jedem Hund hinlaufen. Rufen Sie ihn heran, wenn Sie einen entgegenkommenden Hund sehen und geben Sie Pyri ein o.k., wenn sie den Kontakt erlauben. Viele Hundebesitzer sehen es aus den verschiedensten Gründen gar nicht gerne, wenn ein junger Hund im vollen Galopp angerannt kommt.
Andererseits ist es natürlich wichtig, dass Pyri seinem Bewegungsdrang auch ohne Leine nachkommen kann, er muss täglich Gelegenheit bekommen, sich frei auszutoben. Solange Pyri noch klein und winzig ist, erscheint ihm die Welt riesengroß und Sie sind sein einziger sicherer Pol. Er wird Ihnen bei den ersten Ausflügen kaum von der Seite weichen und dafür reichlich belohnt, sei es mit „Lecker“ (die natürlich von der Futterration abgezogen werden!), sei es mit einem fröhlichen Spiel. So lernt er von Beginn an, dass bei Ihnen immer etwas Tolles passiert und dass es sich lohnt, in Ihrer Nähe zu bleiben. Hocken Sie sich oft hin und rufen Sie ihn zu sich. Ändern sie oftmals die Richtung. Jedes Mal wird er natürlich dann belohnt, wenn er kommt. Suchen Sie von Anfang an Situationen, in den Sie ihn besonders belohnen können, wenn gerade andere Spaziergänger (oder Jogger, Radfahrer, …) auftauchen. Nehmen Sie hierfür besonders tolle „Lecker“, wie z.B. Käse, Würstchen oder Ähnliches, und geizen Sie nicht damit! Schnell werden Sie erreichen, dass Pyri freudig zu Ihnen gelaufen kommt, wenn am Horizont jemand auftaucht.
Belohnen Sie ihn stets für ruhiges Verhalten. Wenn Pyri bellt, gibt es nichts. In dem Fall versuchen Sie, seine Aufmerksamkeit zu gewinnen, evtl. können Sie umdrehen und den Sichtkontakt unterbrechen, wenn Pyri dann wieder ruhig ist, gehen Sie die Situation neu an, indem Sie ihm sein „Lecker“ frühzeitiger anbieten. Eine Weitere Möglichkeit ist ein ”Ablenkungssignal”. Üben Sie mit dem Clicker (s.u.) ein “touch” ein. Pyri muss ihre beiden Finger berühren, wenn er ein “Lecker” bekommen möchte. Sie wissen ja jetzt schon, dass sich aus Pyris Sicht etwas Unheimliches nähert. Lenken Sie ihn ab und die Situation wird entschärft.
Sollte Pyri beschließen, Ihr Komm-Kommando erst einmal zu ignorieren, empfiehlt sich der Einsatz einer ca. 5 Meter langen Schleppleine. Hiermit hat Pyri Bewegungsfreiheit. Sie können seinen Vorwärtsdrang jedoch kontrollieren. Die Schleppleine können Sie sich leicht selber herstellen aus Meterware vom Baumarkt, versehen mit einem stabilen Karabinerhaken. Bei der Verwendung einer Schleppleine muss Pyri unbedingt ein Geschirr tragen! Wenn Sie weiterhin jedes Auftauchen fremder Personen mit positiven Erlebnissen in Form besonderer „Lecker“ verbinden, wird der Einsatz der Schleppleine bald wieder überflüssig sein.
Ganz wichtig! Das „Lecker“ ist nicht zur Ablenkung gedacht, sondern die Belohnung dafür, dass Pyri sofort angesaust kommt, wenn jemand auftaucht. So entsteht ein Automatismus: Fremder Mensch bedeutet, bei Herrchen/Frauchen gibt´s was besonders Feines. Die Schleppleine dient dazu, abzusichern, dass Pyri nicht die Wahl hat, zu Ihnen oder zum Fremden zu laufen. Sie behalten die Kontrolle und er muss sich fügen.
Machen Sie aus jedem Spaziergang ein besonderes Erlebnis! Pyri ist ein intelligenter Hund, es liegt an Ihnen, seine Intelligenz zu fördern und zu fordern. Nur so erhalten Sie einen zufriedenen Hund, der zu Hause ruhig und ausgeglichen ist. Ein hochintelligentes Kind können Sie auch nicht mit Schwimmen auslasten, es wird zwar hinterher körperlich erschöpft, aber dennoch nicht zufrieden sein.
Spaziergängertipps: Wenn Pyri sich einige Meter von Ihnen entfernt, verstecken Sie sich hinter einem Baum und er muss Sie suchen. Lassen Sie ihn über Baumstämme balancieren. Schicken Sie ihn um Bäume herum, indem Sie vor seiner Nase einen Ball um den Baum werfen, dem Pyri folgt. Nach einiger Zeit genügt ein Fingerzeig, und diese Übung wird mit Freude ausgeführt. „Verlieren“ sie sein Spielzeug und er muss es suchen. Lassen Sie ihn auf Baumstümpfe springen oder unter Ästen hindurchkriechen. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, und Pyri wird die gemeinsamen Unternehmungen lieben! Nebenbei halten solche Unternehmungen nicht nur den Hund fit… Achten Sie darauf, dass Sie Pyri nicht überfordern und dass er trotz alledem noch Zeit hat, die Welt aus Hundesicht zu erkunden. Nach einigen Spielminuten müssen stets einige Entspannungsminuten folgen. All diese Spielereien sollten natürlich von allen Familienmitgliedern durchgeführt werden – so lernt Pyri, dass alle Menschen seiner Familie Interessantes zu bieten haben.
(copyright S. Lange/designed by F. Schütte)



