Kommunikationsfehler
Immer wieder kann man beobachten, dass Menschen im Umgang mit Hunden bestimmte Fehler mit schöner Regelmäßigkeit wiederholen. Damit Ihnen das nicht auch passiert, hier eine kurze Zusammenfassung:
Sagen Sie immer das, was Sie möchten, nicht das, was Sie NICHT möchten.
Eine der wichtigsten Regeln in der Hundeausbildung! Ein Hund versteht keine Verneinungen. Sie sagen „Sitz“, Pyri legt sich hin, Ihre Reaktion: „Nein Pyri, nicht Platz, ich habe Sitz gesagt, setz Dich hin!“ Pyri hört: „Nein Pyri – Platz – Sitz“. Sehen Sie das große Fragezeichen, das sich über seinem Kopf bildet? Vor lauter Verzweiflung wird er sich wahrscheinlich noch flacher auf die Erde drücken, um Sie so davon zu überzeugen, dass er nichts Böses im Schilde führt. Wenn Sie jetzt noch ärgerlich werden, sich drohend über ihn beugen: „Du sollst nicht Platz machen, habe ich gesagt!“ wird sich Pyris Motivation, ein freudiges „Sitz“ zu zeigen, sicherlich nicht erhöhen.
Im schlimmsten Fall wird noch kräftig an der Leine geruckt, um dem sturen Hund zu zeigen, wer denn hier der Chef ist.
Stellen Sie sich vor, Sie besuchen ein Land, dessen Sprache Sie nicht mächtig sind, und Ihr Gegenüber versucht Ihnen etwas zu erklären, den Weg zum Hotel beispielsweise. Probehalber schlagen Sie eine Richtung ein, woraufhin Sie sofort am Schlafittchen gepackt und geschüttelt werden, die richtige Richtung wird Ihnen aber immer noch nicht gezeigt. Sie wären wohl kaum motiviert, mit diesem Menschen weiter zu interagieren, sondern würden je nach Typ entweder irgendwann resigniert aufgeben (und nach Hause fahren, aber das kann Pyri ja nicht) oder sehr ärgerlich werden. Und alles nur, weil Ihr Gegenüber keinen Weg gefunden hat, Ihnen deutlich zu machen, was von Ihnen erwartet wird. Wenn er Sie aber bei Irrtümern freundlich korrigiert, Ihnen ruhig und bestimmt den richtigen Weg weist und nicht Dinge voraussetzt, die Sie nicht wissen können, werden Sie bestimmt gutgelaunt ans Ziel kommen und vielleicht einen neuen Freund fürs Leben gefunden haben, jemanden, von dem Sie wissen, dass Sie sich immer auf ihn verlassen können und der Ihr vollstes Vertrauen genießt.
Wenn Pyri sich also auf Ihr „Sitz“-Kommando hinlegt, gehen Sie einfach kommentarlos einen Schritt vor, bis er wieder aufsteht und versuchen es erneut, dieses Mal helfen Sie ihm zu verstehen, was Sie von ihm möchten, so wie es unter „Sitz“ beschrieben ist. Viele Worte machen es für Pyri schwierig, das richtige herauszufiltern, ein schlichtes „Sitz“ und – wenn er sitzt – „gut gemacht“ in Verbindung mit einem „Lecker“ reichen völlig.
Steigern Sie die Anforderungen schrittweise!
Wenn Pyri sich auf Ihr Kommando brav hinlegt, verlangen Sie nicht gleich, dass er mehrere Minuten liegen bleibt. Verlängern Sie die Zeit, die ein Kommando ausgeführt werden soll, langsam aber stetig, achten Sie darauf, dass Pyri eine Chance hat, alles richtig zu machen. Zwei Schritte schönes „ Fuß“ reichen am Anfang. Wenn das gut klappt, erwarten Sie drei, dann vier, bis Sie nach mehrwöchiger Übung längere Strecken mit Pyri an Ihrer Seite laufen können. Falls Pyri ein Kommando selbständig auflöst, geben Sie es kommentarlos erneut und setzen es durch, seine Belohnung gibt es erst nach Ihrem Auflösekommando.
Beginnen Sie die Ausbildung stets mit möglichst wenig Ablenkung und steigern Sie diese langsam. Auch wenn Pyri zu Hause im Wohnzimmer schon ganz prima „Sitz“ machen kann, heißt das noch lange nicht, dass das in der belebten Fußgängerzone oder auf dem Hundeplatz mit seinen Spielkameraden auch klappt. Üben Sie zuerst in der Wohnung, dann im Garten, dann im Wald, von dem Sie wissen, dass dort wenig los ist, bis Sie irgendwann dahin kommen, Pyri mitten aus dem interessanten Spiel abrufen zu können – wohlgemerkt, das dauert! Seien Sie stets konsequent und bestehen Sie auf der Ausführung eines gegebenen Kommandos. Wenn Sie wissen, dass er jetzt sowieso nicht kommt, weil er gerade ins Spiel vertieft ist, rufen Sie ihn gar nicht erst – er würde nur lernen, dass es keine Konsequenzen hat, Ihre Befehle zu ignorieren, also warum sollte er sie befolgen, wenn es doch gerade woanders viel spannender ist? Geben Sie Kommandos immer dann, wenn Pyri gerade aufmerksam und nicht abgelenkt ist.
Versuchen Sie gar nicht erst, Pyri einzufangen – er ist schneller als Sie !
Wie wir alle wissen, sind Theorie und Praxis zwei verschiedene Paar Schuhe und es kann durchaus vorkommen, dass Pyri, der bislang immer sofort auf Ihr Rufen angesaust kam, auf einmal offensichtlich Bohnen in den Ohren hat und alles andere interessanter findet als Sie. Es scheint, als würde er das Ganze als witziges Spiel sehen, das es sich bei nächster Gelegenheit zu wiederholen lohnt. Vermeiden Sie, Pyri –zig mal zu rufen: Damit teilen Sie ihm gerade Ihren Standort mit, so dass es keine Notwendigkeit gibt, mit dem aufzuhören, was er gerade so macht. Er kann sich ganz sicher sein, dass Sie ihm nicht verloren gehen, solange er Sie hört. Tun Sie das, was Pyri nicht erwarten würde: Umdrehen und weggehen, hierbei rufen Sie ihn einmal und dann marschieren Sie strammen Schrittes fort. Es wird nicht lange dauern, bis Pyri Sie vermisst und hinter Ihnen herrennt. Wenn möglich, verstecken Sie sich hinter einem Baum oder ähnlichem, so dass Pyri Sie erst ein bisschen suchen muss – das wird ihm eine Lehre sein.
Machen Sie nicht den Fehler, nach ihm zu greifen!
Dass man einen Hund nicht ausschimpfen darf, wenn er zurückkommt, haben Sie sicherlich schon gehört. Genauso wichtig aber ist es, ihn nicht einzufangen. Sonst wird er in kürzester Zeit handscheu und Sie werden Ihre liebe Not haben, einen Hund anzuleinen, der ständig einen Sicherheitsabstand von 2 Metern einhält. Gehen Sie in die Hocke, halten Sie die Hände zwischen Ihren Beinen, ohne Sie auszustrecken und lassen Sie Pyri in sich hineinlaufen. So können Sie ihm mit der einen Hand ein „Lecker“ geben, während Sie mit der anderen Hand von unten (!) sein Halsband festhalten. Greifen Sie nicht von oben nach ihm, womöglich noch vornübergebeugt, diese Geste ist ihm unheimlich. Überhaupt mögen Hunde es gar nicht, wenn Menschen ihnen liebevoll auf den Kopf tätscheln. Seitliche Berührungen oder unterm Kinn empfinden sie als deutlich angenehmer. Der Hang zu Umarmungen ist Primaten vorbehalten, Hunde empfinden so etwas als beengend und dulden es wenn überhaupt nur widerwillig. Eine Belohnung soll für den Empfänger etwas Angenehmes sein, aber immer wieder sieht man Hunde, die verzweifelt versuchen, ihren Besitzer davon zu überzeugen, dass Umarmen, Tätscheln usw. eine blöde Idee ist. Viel mehr würden sie sich über ein fröhliches Wort, ein besonderes „Lecker“ oder ein gemeinsames Spiel freuen.
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