Das Spielverhalten
Das Spielverhalten

Es gibt viele Arten, mit Hunden zu spielen, aber nicht jede ist sinnvoll. Teilweise unterscheiden sich die Ansichten von Hund und Mensch über ein lustiges Spiel auch sehr: Findet Hund es durchaus amüsant, kilometerweit in gestrecktem Galopp vor seinem Menschen herzulaufen, ist Mensch da gelegentlich durchaus anderer Ansicht – immer dann, wenn er es eigentlich eilig hat, nur noch einmal ein Bällchen werfen wollte und sein Hund es partout nicht wieder herausrückt, geschweige denn überhaupt zurückkommt und sich brav an die Leine nehmen lässt.
Nun gibt es durchaus Naturtalente, die gleich von Anfang wissen, dass zu einem Spiel immer mindestens zwei Teilnehmer gehören, den Ball auf kürzestem Weg zurückbringen und voller Erwartung auf das nächste Mal warten. Falls Pyri zu diesen Wunderhunden gehört, können Sie das folgende Kapitel getrost überspringen. Falls er hingegen zwar fröhlich hinter dem Bällchen herläuft, es vielleicht sogar aufnimmt, dann aber mit seiner Beute die Flucht ergreift, immer gerade außer Ihrer Reichweite bleibt und sich nur mit Mühe (wenn er endlich müde ist) davon überzeugen lässt, sich wieder an die Leine nehmen zu lassen, sollten Sie sich die Zeit für die nächsten Zeilen nehmen.
Wie in der Ausbildung und der Erziehung darf man auch beim Spiel nicht von Anfang an zu viel erwarten. Woher soll Pyri wissen, dass wir den Ball zurück haben möchten, wo wir ihn doch gerade erst weggeworfen haben? Wenn er aber erst einmal verstanden hat, dass es der Auftakt zu gemeinsamen Unternehmungen mit viel Spaß und Freude ist, das Spielzeug zurück zu bringen, wird er ein unermüdlicher Spielkamerad sein. So haben Sie die Möglichkeit, seinem Bewegungsdrang und seinem Bedürfnis nach Beschäftigung entgegen zu kommen.
Fangen Sie klein an: Besorgen Sie sich ein Spielzeug, das Sie sowohl werfen als auch in der Hand halten können, einen Ball mit Schnur zum Beispiel, oder eine kleine Beißwurst. Lassen Sie kein Spielzeug zu Hause offen herumliegen, Spielzeit ist gemeinsame Zeit und ein echtes Highlight im Tagesablauf. Setzen Sie sich zu Pyri auf die Erde und machen Sie ihm sein Bällchen interessant, indem Sie es ruckartig über den Fußboden ziehen – und zwar immer weg vom Hund! Der Hase in der Natur würde auch nicht freiwillig in die Schnauze des Hundes springen, der Hund müsste sich anstrengen, um ihn zu fangen, und genau diesen Beutetrieb machen wir uns hier zu Nutze. Halten Sie das Spielzeug fest in der Hand, lassen Sie Pyri hinein beißen und daran zerren. Wenn sein Interesse am größten ist, hören Sie auf und legen das Spielzeug beiseite. Das Ganze sollte nicht länger als etwa zwei bis drei Minuten dauern, länger kann Pyri sich sowieso noch nicht konzentrieren. Dieses Prozedere wiederholen Sie einige Male, bis Pyri sich schon freut, wenn Sie das Spielzeug hervorholen. Nun können Sie einen Schritt weiter gehen. Nach wie vor setzen Sie sich zu Pyri auf die Erde, werfen Sie das Spielzeug nur wenige Zentimeter vor sich, sobald Pyri es aufnimmt, freuen Sie sich ganz fürchterlich und locken ihn sofort zu sich. Wenn er sich mit dem Spielzeug Ihnen zuwendet, spielen Sie mit ihm weiter, indem Sie wie im vorherigen Schritt am Spielzeug ziehen und ihn zerren lassen. Pyri darf hierbei ruhig auch mal gewinnen, aber achten Sie darauf, dass immer Sie das Spiel beenden, nicht der Hund. Wenn der Spaß am Größten ist, hören Sie auch jetzt wieder auf, so schwer es auch fällt. Nur so erhält man die Spannung und Motivation für das nächste Mal. Schritt für Schritt können Sie nun die Entfernung erhöhen und das Spielzeug immer ein bisschen weiter werfen. Wichtig ist, dass Sie immer – ohne Ausnahme – darauf bestehen, dass er das Bällchen zu Ihnen zurück bringt. Sollte Pyri zwischenzeitlich auf die Idee kommen, sich doch lieber alleine zu vergnügen, können Sie eine lange Schnur ans Spielzeug binden, so haben Sie es stets unter Kontrolle. In den meisten Fällen wird das aber nicht notwendig sein: Wenn Pyri begriffen hat, dass das lustige Spiel immer weitergeht, wenn er zu Ihnen zurückkehrt, wird er sich diese Gelegenheit kaum entgehen lassen.
(copyright: S. Lange)


